Nach der Studie der Kölner Berufsforscher bearbeiten 66% der Rechtsanwälte Mandate pro bono, nur 34% verzichten grundsätzlich auf ein solches gesellschaftliches Engagement. Besonders häufig sind Rechtsanwälte aus kleinen örtlichen Sozietäten und aus internationalen Law Firms in dieser Weise tätig. Im Durchschnitt bearbeitet ein pro bono publico aktiver Rechtsanwalt neun Mandate pro Jahr kostenlos. Jährlich werden damit in Deutschland mehrere Hunderttausend Mandate von Rechtsuchenden, die weder über eine Rechtsschutzversicherung verfügen noch staatliche Kostenhilfe erhalten, von der Anwaltschaft kostenlos betreut werden.
Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts: "Die Ergebnisse unserer Studie sind auch deshalb bemerkenswert, weil das anwaltliche Berufsrecht ein kostenloses Tätigwerden von Rechtsanwälten bislang streng genommen nicht zulässt. Offensichtlich ist das anwaltliche Berufsrecht mit gesellschaftlichen Realitäten in diesem Punkt nicht mehr im Einklang, so dass sich eine Anpassung aufdrängt.“
Die Studie, für die rund 1.200 Rechtsanwälte befragt worden sind, hat ergeben, dass pro bono-Mandate besonders häufig für Mitarbeiter, Freunde und Bekannte übernommen werden. Häufig bitten solche nahestehenden Personen oder gemeinnützige Organisationen den Rechtsanwalt aber auch, für andere Personen aktiv zu werden. Jeder dritte Anwalt berichtet, dass seine pro bono-Mandate u.a. auf persönlichem, außerberuflichem Engagement in Hilfsorganisationen und –einrichtungen beruhen oder sich daraus ergeben, dass ein bereits betreuter Mandant die Anwaltskosten nicht mehr bezahlen kann. Selten sprechen Rechtssuchende einen Anwalt gezielt an und bitten darum, ein Mandat kostenlos zu übernehmen.
Pressemitteilung vom Soldan Institut, Essen, 17.11.2011.
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