Sunday, 26. October 2014
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14. November 12 , 21:09

Gut geht`s den Gästen in „Gerhart`s Strauße“ - In der Wein- und Vesperstube von Adolf und Ulrike Gerhart

Kategorie: Essen & Trinken, Kulturreise, Deutschland
Sasbach-Jechtingen (Weltexpress). Auf dem Weg zur Burg Sponeck am Kaiserstuhl liegt der in der weiten Welt wenig bekannte Winzerort Jechtingen. Mitten in der Gemeinde steht ein Schild, das „Zur Burg Sponeck“ den Weg weist. Über eine schmale Straße fahren wir, die rollende Redaktion des WELTEXPRESS, weiter, wie an diesem sonnigen Tag viele mit Rad, die wir nicht überholen, wohl aber Wanderer, weiter zur bewohnten Burg.

© WELTEXPRESS, Foto: Stefan Pribnow

Wanderer, Radler und allgemein Ausflügler, die Erholung in den Rheinauen suchen, kommen auf ihrem Weg durch Wiesen, Weinfelder und Wäldchen an Gerhart`s Strauße vorbei. Wir halten an dieser einladenden Winzerschenke mit dem Charme einer Straußenwirtschaft auf dem Rückweg und kehren abends ein in Gerhart`s Strauße.

Gerhart`s Strauße? Strauße leitet sich von dem Begriff Straußwirtschaft ab. "Gerhart verdankt seine Strauße Karl", kommentiert unser Tischnachbar, von denen wir viele haben, die laut und lustig reden, essen, trinken und sich unterhalten, denn Dutzende Tische mit vielen Stühlen stehen dicht an dicht und alle sind besetzt, als sei der ganze karolingische Hof des ersten „römische“ Kaiser namens Karl heute hier. Dieser mittelalterliche und große Herrscher des Abendlandes deutscher Zunge soll eine Vorschrift für die Verwaltung seiner Güter namens Capitulare de villis vel curtis imperii erlassen haben. Ob Karl der Große das wirklich war? Das ist strittig. Unstrittig ist hingegen, daß die recht detailierten Landgüterverordnung in Wolfenbüttel, wo in der Herzog-August-Bibliothek eine Handschrift davon aufbewahrt wird nachgelesen werden kann.

Am Fuße des Kaiserstuhls ist jedochklar: "Karl I. hat den Winzern und Weinbauern die Erlaubnis zur Bewirtung erteilt." Komme, was wolle. Wenn einst der Kaiser kam, und er sei viel in seinem Ländle, ein riesiges Frankenreich, rumgekommen sein, wollte er an einem Besen erkennen, wo er verpflegt werden könne, weswegen Straußen- auch Besenwirtschaften oder Besenschänken genannt werden und waren vor langer Zeit oft hergerichtete Wohnungen, Viehställe, Scheunen.

"Heute darf man nur noch ländliche, regionale, saisonale Produkte verarbeiten und verkaufen", erklärt man uns und "in Jechtingen ist das der Wein". Familie Gerhart betreibt eine Winzerschänke mit dem Charme einer Straußenwirtschaft. Hinter den Kulissen des rund 250 Gäste fassenden Räumlichkeiten arbeiten gleich drei Generationen von Gerharts und sorgen für das Wohl der Gäste, die in der Hausstube, der „Scheune“, wie wir auf der Veranda unter einem Zeltdach oder draußen in der spätsommerlichen Abendsonne sitzen.

Die Großeltern Helmut und Lioba Gerhart bauten das Haus 1962 als Wohn- und Bauerhaus, das auch dem lieben Vieh diente. So war das damals. Der Weinanbau sei von Anfang an dabeigewesen, heute sogar die Haupteinnahmequelle. Und immer noch steht Lioba Gerhart in der Küche, schwingt Zepter und Löffel und kümmert sich ums leibliche Wohl.

Gerhart`s Strauße ist im Frühjahr, wenn Anfang April bis Mitte Juni geöffnet ist, bekannt für seinen Spargel. Der Gemüsespargel ist nicht nur hausgemacht, sondern auch Hofprodukt; er kommt von den eigenen Feldern. "Serviert wird das Weiße Gold mit Kratzete, Schinken und Sauce Hollandaise", sagt ein Gerhart. "Kratzete", blicken wir fragend. Das sei ein hauchdünner Pfannkuchen mit Mehl, Ei, Sprudel, Salz und einer Prise Zucker, der aufgeschabt und goldgelb gebraten serviert wird.

Im Herbst, von Ende August bis Mitte November, steht Gerhart`s Strauße für Neuen Süßen, also für Ferderweißen, mit Zwiebelkuchen. Davon schlürfen wir zwei, drei Gläser, um dann zu Wein des Hauses überzugehen. Auch eine Schlachteplatte, wie nicht nur im Elsaß üblich, steht auf der Speisekarte. Beliebt und begehrt sind zudem die Wildgerichte vom Jäger Adolf Gerhart. Auch das Dammwild und Wildschwein, das in schönen Scheiben vor uns auf den Tellern liegt, lief ihm vor die Flinte. Jeden Freitag wird ein komplettes Wildschwein auf dem Holzgrill gedreht.

Dominik Gerhart, von Beruf Weinbauingenieur, empfiehlt „die Verkaufsschlager“ und nennt zuerst den Spätburgunder Weißherbst, der nach roten Früchten mundet, eine sehr schöne Präsenz der Säure aufweist und einen lieblichen Charakter offenbart. Generell sind die Burgunder-Sorten die Vorzeigeweine der Gerharts. Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder und der genannte Spätburgunder Weißherbst. "Burgundersorten sind die Vorzeigesorten des Kaiserstuhls", erklärt Dominik Gerhart und ergänzt: „Die vulkanischen Verwitterungsböden im Zusammenspiel mit den reinen Lösböden verleihen den Weinen ihre besondere Harmonie aus Dichte und Mineraltät." Darauf noch ein Gläschen, erklären wir. Wohlsein.

Das Weinsortiment der Winzer ist gegliedert in zwei Linien. Zum einen ist das die Linie „Edition Ulrike Gerhart“ und zum anderen die Selektions-Linie mit dem Kürzel „GS“. Die „Edition Ulrike Gerhart“ besteht aus Qualitätsweinen wie Müller-Thurgau und sämtliche Burgunder-Sorten. Unter „GS“ sammeln sich die Weine mit Prädikat wie eine Scheurebe Kabinett, Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder Spätlese sowie ein im Barrique-Fass ausgebauter Spätburgunder. Den lassen wir uns jetzt munden.

Bei vielen läuft der „Neue Süße“ die trockenen Kehlen hinab. In diesem Jahr ging`s mit dem „Neuen Süßen“ wie in den letzten zehn, zwölf Jahren gewohnt früh losm meint Dominique. Wir sind schon per Du. „Der erste Lesetag für den Neuen Süßen war der 6. September“, sagt er, „und morgen fangen wir an mit der richtigen Lese“. „Wir nehmen für den „Neuen Süßen“ nicht frühreife Sorten wie Solaris oder Findling sondern klassisch Müller-Thurgau. Nehmen Sie sich vor, einmal Gerhart`s Strauße zu besuchen, wie wir. Wandern Sie durch die Weinberge des Kaiserstuhls, fahren Sie zur Burg Sponeck und kehren Sie in diese ursprüngliche, familiäre schöne Strauße ein, um gut zu essen und zu trinken. Unterhalten Sie sich gut. Leben sie!

Infos

„Gerhart`s Strauße“, Wein- und Vesperstube, Sponeckstraße 102, 79361 Sasbach-Jechtingen, Telefon: 07662 / 6117, Email: info@gerhart-strausse.de, Website: www.gerhart-strausse.de

Öffnungszeiten: von Dienstag bis Samstag ist von 17 bis 24 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertagen strömen die Besucher schon um 12 Uhr in „Gerhart`s Strauße. Nur montags ist Ruhetag. Von Anfang April bis Mitte Juni und von Ende August bis Mitte November.

Zu „Gerhart`s Strauße“ kommt man prima mit dem Auto, Motor- und Fahrrad von Breisach auf der Landstraße Richtung Endingen, in Jechtingen auf das Schild "Zur Burg Sponeck" achten und die Richtung einschlagen. Oder reisen Sie wie wir mit dem Wohmobil an, dann können Sie gerne über Nacht bleiben. Und grüßen Sie von uns!

Von: Ole Bolle

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