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18. Februar 13 , 12:37

Ist Richard Wagner ein Leipziger? - Wagner-Jahr 2013 startet mit ‚Parsifal‘ und der Jugendoper ‚Die Feen‘

Kategorie: Kultur, Feuilleton, Regionales, Sachsen
Leipzig (Weltexpress). Richard Wagner wurde am 22. Mail 1813 in Leipzig geboren, starb am 13. Februar 1883 in Venedig und lebte an vielen Orten Europas, bis er im fränkischen Bayreuth seine künstlerischen Ideale, mit Hilfe von König Ludwig II, verwirklichen konnte.

© dapd

Der Vater starb, als der kleine Richard gerade einmal sechs Monate alt war, und nach einer angemessenen Trauerzeit heirate seine Mutter Johanna Wagner den Freund der Familie, den Schauspieler Ludwig Geyer. Die Familie übersiedelt nun nach Dresden, wo Richard – abgesehen von kleinen Unterbrechungen - auch nach dem Tode von ‚Vater Geyer‘ bis 1827 wohnte und zur Schule ging. Mutter und Schwestern fand er danach in Leipzig wieder, von dort aus reiste er durch halb Europa, um sich als Komponist zu etablieren. 1842 erfolgte die Rückkehr nach Dresden, im Jahr darauf wird er hier zum Hofkapellmeister ernannt. Er musste die Stadt 1848 fluchtartig verlassen, wegen der Teilnahme am Dresdner Mai-Aufstand, und gelangte mit der Hilfe seines besten und treuesten Freundes Franz Liszt über Weimar nach Zürich.

Ein Jubiläum mit Ecken und Kanten

Zu seinem 200.Geburtstag soll Richard Wagner nun zum ‚Leipziger‘ gekürt werden, was immer das auch bedeuten mag. Kürzlich wurde sogar an der A 38, Kreuz Rippachtach, ein großes Schild angebracht, das dies belegen soll: RICHARD WAGNER IN LEIPZIG! Gesponsert wurde es von Thomas Krakow, Vorsitzender des Richard Wagner-Verbandes Leipzig und zwei Mitstreitern mit der Begründung: „Damit weisen wir Reisende auf der Strecke München/Bayreuth – Berlin auf den Meister hin.“

Als ich selbst kurz nach der Wende Leipzig besuchte, musste ich lange suchen, bis ich den Platz seines Geburtshauses fand. Nach vielen Fragen, zeigte mir zuletzt eine freundliche Dame eine unscheinbare Plakette am Kaufhaus Karstadt. Das war in jener Zeit der einzige Hinweis auf Richard Wagner in einer Stadt, die sich musikalisch ganz Bach, Mendelssohn und Schumann verpflichtet fühlte. Der Leipziger Richard Wagner-Verband war damals nicht sonderlich aktiv, da diese Verbände sich zumeist Bayreuth verpflichtet fühlen. Eine neue Bürgerinitiative mit dem Namen ‚Richard Wagner-Gesellschaft 2013‘ wurde gegründet, die mit großem Eifer versuchte Richard Wagner in der Stadt bekannt zu machen. Doch hinsichtlich des Jubiläumsjahr 2013 änderte der Richard Wagner-Verband seine Taktik und der aktuelle Vorsitzende Thomas Krakow wurde im April letzten Jahr sogar vom OB Jung zum Koordinator der Richard-Wagner-Tage 2013 bestellt.

Ein Opernhaus am Abgrund

Die Oper Leipzig hat im letzten Jahrzehnt einige Turbulenzen durchlebt, Intendantenwechsel und die totale Fokussierung auf das deutsche Regietheater, haben das Haus fast an den Rande des Zusammenbruchs gebracht. Als Riccardo Chailly 2005 zum Generalmusikdirektor des Gewandhausorchesters sowie der Oper Leipzig bestellt wurde, musste er schnell erkennen, dass er im Opernhaus seine künstlerischen Ansprüche nicht umsetzen konnte und legte somit seinen Posten 2008 nieder, wohl auch wegen der Personalie Konwitschny. Mit Ulf Schirmer folgte 2009 ein international renommierter Dirigent, der seine musikalische Laufbahn an der Wiener Staatsoper begonnen hatte, dort stand er schon mit 23 Jahren im Orchestergraben. Als Wagner- und Strauss-Dirigent war er an vielen großen Häusern, u.a. Paris, Mailand, Berlin, Salzburg, Kopenhagen, Tokio, erfolgreich tätig. Ab August 2011 wurde Ulf Schirmer dann zum Intendanten der Oper Leipzig ernannt. Jetzt dachte man, dass die Oper Leipzig sich endlich auf internationalem Niveau etablieren könne, und das auch in ‚Sachen Wagner‘, zumal das Jubiläumsjahr viele Besucher nach Leipzig führen würde.

Antrittsgeschenk für den neuen Intendanten waren Kürzungen des Kulturetats des Landes Sachsen, die für die Stadt Leipzig besonders schmerzlich waren und für die Oper eine Katastrophe. Fazit: der schon recht schmale Etat für die künstlerischen Ausgaben, wurde noch einmal um 600.000 Euro gekürzt. Schlechte Voraussetzungen für glänzende Wagnerinszenierungen, die man verständlicherweise mit Weltklassesänger besetzen sollte. Die Oper Leipzig ist momentan dabei ein junges und hochkaratiges Ensemble aufzubauen, besitzt aber noch nicht den Fundus an Sängern, um die großen Wagnerpartien in Gänze mit Hauskräften zu besetzen.

Die Stadt Leipzig zeigte sich im Jubiliäumsjahr großzügig und stellte zusätzlich knapp 600.000 Euro zur Verfügung, das allerdings für die gesamten städtischen Aktivitäten. Wie hoch der Zuschuss für das Opernhaus war, ist nicht bekannt, doch war diese Zuwendung wohl mit einer szenische Produktion von Wagners Frühwerken ‚Die Feen‘, ‚Das Liebesverbot‘ sowie die Aktualisierung einer ‚Rienzi‘-Produktion aus dem Jahr 2007 verbunden. Eine Koproduktion mit Bayreuth war der Lohn dafür, allerdings musste das Opernhaus Leipzig die szenischen Produktionskosten tragen. Die Aufführungen in Bayreuth in diesem Sommer sind allerdings nur als konzertante Programmpunkte angesetzt, zudem abseits des Festspielgeschehens, in der nicht sehr einladenden Obernfrankenhalle.

Dabei sollte die Oper Leipzig das Repertoire mit den großen Opern Richard Wagners dringend aufstocken. Außer der gelungenen ‚Parsifal‘-Produktion aus dem Jahr 2006, hat man nichts im Fundus, abgesehen von dem problematischen Konwitschny-‚Lohengrin‘ sowie einer missratenen ‚Meistersinger‘-Inszenierung, die weder lokales noch überregionales Publikum zahlreich ins Haus bringen können. Für das Jubiläum 2013 erlaubt das klamme Budget des Hauses allerdings noch einen konzertanten ‚Holländer‘ sowie den lange überfälligen Neustart eines szenischen Rings mit ‚Das Rheingold‘ am 4. Mai. Wer die weiteren großen Wagneropern erleben möchte, muss eben nach Dresden fahren, dort ist der Spielplan mit vielen bekannten Opern Richard Wagners gut bestückt.

Potential für eine erfolgreiche Zukunft

Doch es gibt auch Lichtblicke: an Wagners Todestag am 13. Februar, zeigte das Leipziger Haus eine beachtliche Aufführung der letzten Oper des Meisters, ‚Parsifal‘. Eine werkgetreu und visuell höchst ästhetisch angelegte Arbeit von Roland Aeschlimann aus dem Jahr 2006, die zudem von Ulf Schirmer damals schon dirigiert wurde. Mit dieser Arbeit legte der heutige Intendant das Fundament für seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester.

Ach, und dann gilt es ja noch die Frühwerke zu erwähnen, von denen sich der Komponist selbst zu Lebzeiten deutlich distanziert hatte. Am Samstag starteten ‚Die Feen‘  vor einem ausverkauften Haus. Der Eindruck, der mir von der Generalprobe blieb, ist durchaus erfreulich. Das Leading Team war hochkarätig besetzt: Musikalische Leitung Ulf Schirmer | Inszenierung Renaud Doucet | Bühne, Kostüme André Barbe. Die enorm farbenfrohe und spannende Inszenierung des Regieteams aus Kanada überzeugte mit Leichtigkeit und Fantasie, Orchester und Sängerensemble begeisterten. Die Handlung der Oper, von Richard Wagner als Zwanzigjähriger konzipiert, hat zwar Längen und zeigt mehr Naivität als Dramatik, erinnert an Mozarts ‚Zauberflöte‘, doch auch an Beethovens ‚Fidelio‘ oder an Carl Maria von Webers Werke, alle jene dürften den jugendlichen Komponisten inspiriert haben. Das Werk gibt Zeugnis von dem enormen Talent des jungen Richard Wagner, aber langfristig wird diese Inszenierung wohl nicht zum Publikumsrenner werden. Vielleicht kann die Oper Leipzig dann das überaus geniale und vielschichtige Bühnenbild - das sicherlich hohe Produktionskosten verursacht hat - als Grundlage für weitere Wagnerproduktion benutzen; man könnte sich durchaus einen ‚Tannhäuser‘ oder auch ‚Die Meistersinger‘ in dieser Kulisse vorstellen. Hoffen wir, dass das Jubliäumsjahr 2013 für Oper und Stadt Leipzig nicht mit der Erkenntnis ‚außer Kosten nichts gewesen‘ enden wird.

www.oper-leipzig.de
www.midougrossmann.de

Von: Midou Grossmann

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